Fries & Höpflinger
FRIES & HÖPFLINGER
Kugellager
gegr.: 1890 (seit 1929 SKF Norma AG / heute: SKF)
Gründer: Engelbert Fries und Wilhelm Höpflinger
Rechtsform: Personengesellschaft (1890)
seit 1896: Aktiengesellschaft (AG)
seit 1927: wieder Personengesellschaft
Standort: Bauerngasse 7 (heute Malergeschäft Kämpf)
Schultesstraße/Cramerstr. 4 ½ (seit 1892)
Firmengeschichte (Kurzfassung)
Ein Mitarbeiter Friedrich Fischers, der Mechaniker Wilhelm Höpflinger, machte sich zusammen mit Engelbert Fries, der bei Fischer als
Reisender tätig war,
1890 selbständig. Am 15. Mai 1890 wurde die Firma Fries & Höpflinger gegründet.
Der Schwiegervater von Engelbert Fries stellte nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch 5000 Mark als Gründungskapital zur Verfügung. Die Firmenräume befanden sich zunächst in einer
Schreinerwerkstatt in der Bauerngasse 7 (heute Malergeschäft Kämpf).
Höpflinger sollen Verbesserungen an den bei Friedrich Fischer im Einsatz befindlichen Schleifmaschinen gelungen sein. Die Aussage von Engelbert Fries „Unsere gemeinsame Tätigkeit hat also im
Jahr 1888 das Problem der Kugelfabrikation für Deutschland gelöst“ erscheint jedoch stark übertrieben. Die Erfindung der Kugelschleifmaschine ist eindeutig Friedrich Fischer
zuzuschreiben.
Bei Engelbert Fries lag die kaufmännische Verantwortung. Wilhelm Höpflinger hatte die technische Leitung inne.
Die Unternehmenstätigkeit umfasste den Nähmaschinen- und Fahrradhandel, eine mechanische Werkstätte und die Herstellung von Kugeln, Kugellagern, Rollenlagern. Spezialisiert war das
Unternehmen allerdings auf Kugeln und Kugellager, die in die ganze Welt verkauft wurden.
1896 erfolgte die Umwandlung in die „Deutsche Gußstahlfabrik A.G., vorm. Fries & Höpflinger“. Die Gründung der Aktiengesellschaft und der damit verbundene Einfluss
der Banken stieß bei Engelbert Fries später auf Kritik.
Die Firma genoss einen hervorragenden Ruf. Angebote englischer Firmen zum Kauf der Firma Fries & Höpflinger im April 1897 belegen dies.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Großbritannien die Hochburg der Fahrradproduktion und somit der Hauptabnehmer von Stahlkugeln. In Europa herrschte in der Zeit von 1898 bis 1902 eine
allgemeine Absatzkrise für Stahlkugeln. Große Überkapazitäten und durch Einfuhrzölle behinderte Exporte führten zu Firmenschließungen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Höpflinger an der Gründung einer amerikanischen Gesellschaft sehr interessiert war, um die zu jener Zeit vorhandenen
maschinellen Überkapazitäten an diese Gesellschaft verkaufen zu können.
→ Einzelheiten siehe „German American Steel Ball Company“
1900/01 ist eine Fusion mit „Deutsche Rohkugelwerke AG“ zu verzeichnen.
Nach der Fusion der alten Firma mit der „Deutsche Rohkugelwerke AG“ erfolgte eine Namensänderung des Unternehmens zu „Deutsche Gußstahlkugel- und Maschinenfabrik AG“.
Der zweite Aufschwung, der nach 1900 eintritt und bis 1929 anhält, gilt für die drei großen Kugel- und Kugellagerhersteller in Schweinfurt gleichermaßen. Die Erläuterung
dieses Zeitraums erfolgt deshalb im nachfolgenden Exkurs.
Die Fabrik von Fries & Höpflinger wurde 1929 – ebenso wie die Kugellagerfabrik von Fichtel & Sachs – von der „Vereinigten Kugellagerfabriken AG. Schweinfurt“
(heute SKF) übernommen.
Die ausführliche Firmengeschichte von Fries & Höpflinger ist in Bearbeitung.
Die Gliederung erfolgt in Form der Veröffentlichung zu FAG.
Bild oben: Entscheidungsträger der Dt. Großstahlkugel- u. Maschinenfabrik AG Schweinfurt, zuvor Fries und Höpflinger, 1922. Von links vorn: Aufsichtsrat (AR) Dr. Fritz Neumeyer, Direktor Wilhelm Höpflinger,Direktor Engelbert Fries, Aufsichtsrat Dr. Krüger; hinten v.l.: AR-Vorsitzender Dr. Josef Schmitt, AR Geheimrat Dr. Ernst Sachs un AR Konsul Dr. Heinrich Arnhold vom Bankhaus Gebrüder Arnhold - bitte durch Anklicken vergrößern!
Exkurs:
Die Schweinfurter Wälzlagerindustrie von 1900 bis 1929
Nach der Jahrhundertwende begann der zweite Aufschwung der Kugel- und Kugellagerindustrie. In erster Linie gab die Entwicklung der Automobilindustrie dazu
den Anstoß. Weitere Anwendungsgebiete waren insbesondere Werkzeugmaschinen, Krane, Transmissionen etc. Die „Normalisierung der Kugellager“, d.h. bestimmte Abmessungen wurden als normal
bezeichnet und ermöglichten die Massenfabrikation, unterstützten den Aufschwung.
Der Preisverfall auf dem Kugelmarkt führte im Jahre 1905 zum Zusammenschluss der 8 namhaftesten Kugelfabriken zur
„Stahlkugelkonvention“. „Normalpreise“ durften nicht unterschritten werden und Verkaufsbedingungen wurden festgesetzt.
Trotz hervorragender Auftragslage und Vollauslastung der Fabriken führte der sich zunehmend verschärfende Konkurrenzkampf sowohl auf dem Inlands- wie auf dem Auslandsmarkt zu fortgesetztem
Preisniedergang.
Technische Stärke und technische Innovationen ermöglichte es der Schweinfurter Kugel- und Kugellagerindustrie sogar die führende Stellung innerhalb der deutschen Kugel- und
Kugellagerindustrie einzunehmen.
Wie die Kugelfabriken schlossen sich auch die Kugellagerfabriken, bedingt durch die scharfe Konkurrenz und damit verbundene „Preisdrückereien“, im Jahre 1913 zur
„Kugellagerkonvention“ zusammen. Zweck war die gemeinschaftliche Preisstellung (Minimal-Preise) und die Absatzkontigentierung.
Die Produkte der Schweinfurter Kugel- und Kugellagerindustrie haben sich im Laufe ihrer Entwicklung über die gesamte Welt verbreitet und dank ihrer vorzüglichen Qualität immer
größeren Absatz gefunden.
Den gewaltigen Aufschwung, den die hiesige Kugel- und Kugellagerindustrie genommen hat, kennzeichnet am besten die Zahl der Arbeiter, die sie
beschäftigte.
Jahreszahl Anzahl der Betriebe Anzahl der Arbeiter
_______________________________________________________________________
1900 3
146
1910* 3* 3.344
1914 3
4.359
1918 3 11.319
*) Die drei Betriebe umfassen:
⁃ Deutsche Gußstahlkugel und Maschinenfabrik AG
⁃ Schweinfurter Präzisions-Kugellager-Werke Fichtel & Sachs (Bereich:
Kugeln und Kugellager
⁃ Georg Schäfer & Cie.
Gesellschaftsrechtliche Entwicklung von Fries & Höpflinger:
1890: Fries & Höpflinger
1896: Deutsche Gußstahlfabrik A.G. vorm. Fries & Höpflinger
1901: Deutsche Gußstahlkugel- und Maschinenfabrik AG
(nach Fusion der alten Firma mit der „Deutschen Rohkugelwerke AG“)
1927: Fries & Höpflinger
1929: Verkauf an die „Vereinigten Kugellagerfabriken AG. Schweinfurt“
(damals: SKF Norma AG)
Quellen:
1) Repertorium zur mittelständischen Wirtschaftsgeschichte von Schweinfurt im 19. Jahrhundert, Seite 54
2) Dornheim Andreas, SACHS Mobilität und Motorisierung, Eine Unternehmensgeschichte, 2015, Seite 38 bis 43
3) Die Aktiengesellschaft „German American Steel Ball Company“
Herausgeber: Numismatische Gesellschaft Schweinfurt e.V. / Verfasser: Klaus Merkle / Schweinfurt, im September 2010, überarbeitet Januar 2012 (Archiv AKI)
(©AKI/2015/Fiedler-Firma006)